1849

Es folgt ein trauriges Kapitel. Die Loge >Zum Morgenstern< wurde am 23. Juni 1849 auf unbestimmte Zeit suspendiert. Was war geschehen? Die wiederholt ergangenen Mahnungen an die Staatsbeamten, die Logen zu verlassen, hatten ihre Wirkung getan; schließlich bangten sie um ihre Stellungen und um die Versorgung ihrer Familien. Mit schuld am Mitgliederschwund war sicher auch der Verlust eines eigenen Logenhauses. So begannen sich die Brüder 1848 ohne Angabe von Gründen von der Loge zu trennen. Noch fünfzig Jahre später geht der Chronist sehr vorsichtig mit seinen Worten über die damalige Situation um. Aus der mündlichen Überlieferung läßt sich ein offensichtlich der Wahrheit näher kommendes Urteil über die seinerzeitigen Zustände in der Stadt und in der Loge rekonstruieren. Die Beitragsrückstände, insbesondere der auswärtigen Brüder, waren auf 359 Gulden angewachsen. Schon daraus ist ersichtlich, welcher Geist in der Loge herrschte. Nicht der Mangel an Geld war es, der solche Rückstände erklärt, sondern der Wille, nichts mehr zu bezahlen.

Hinzu kam die unruhige Zeit in Stadt und Land. Die lebhafte Propagandassfür ein "ganzes" Deutschland, die vom Volk erzwungene Abdankung des Königs Ludwig I. von Bayern wegen der Affäre mit der Tänzerin Lola Montez, die Nationalversammlung in der Paulskirche, die von Abgeordneten aus Hof besucht war und lebhaftes Echo in der Bevölkerung fand, brachten genug explosive Gesprächsthemen und Dispute. Das löste besondere Polizeimaßnahmen aus. Argwöhnisch wurde über alle Äußerungen gewacht.

Die Loge kam von Anfang an durch ihre Beziehungen nach Plauen und Leipzig in Verdacht. Das diese Beziehungen sich auf humanitäre, überall unter gesitteten Menschen gültige Grundsätze beschränkten, glaubte kein Nichtmaurer. Bei Betrachtung der damaligen politischen Lage ist es wohl verständlich, dass den Brüdern hieraus eine Belastung erwuchs. Bei etwas mehr Bekennermut und gerechtfertigtem Vertrauen zur eigenen Sache hätte die Loge nicht geschlossen werden müssen. Doch so blieben schließlich nur noch einige unabhängige Geschäftsleute in der Loge übrig, die allein das Logenleben nicht aufrecht erhalten konnten. Da die Loge Schulden hatte und die Miete nicht mehr bezahlen konnte, wurde das Logeninventar dem Br.: von Staff-Reitzenstein zur Aufbewahrung in einem seiner Schlösser übergeben. Einige zuverlässige Brüder nahmen die Urkunden und Schriftstücke in Verwahrung. Deren Frauen versteckten sie in ihren Wäschetruhen.

Aus Dankbarkeit gegenüber den Schwestern, die in schwerer Zeit die Rituale und Dokumente der Loge versteckt gehalten hatten, wurde beschlossen, diese künftig alle zwei Jahre an einer Schwesternloge teilnehmen zu lassen. Die erste derartige Schwesternloge fand in der Gaststätte "Löwengrube", fast gegenüber der Pauluskapelle in der Lessingstraße, statt. Diese Einrichtung hat mittlerweile eine mehr als 130jährige Tradition und hat es mit sich gebracht, dass nicht zuletzt dadurch ein hervorragender Zusammenhalt zwischen Brüdern und Schwestern entstanden ist. Die Schwestern lernen auch auf diese Weise die Freimaurerei als einen Ort schätzen, wo ihre Männer gut aufgehoben sind. Noch heute findet in jedem "ungeraden" Jahr im März eine Schwesternloge statt.