1933 - 1934

Unter dem Druck der innenpolitischen Veränderungen löste sich am 30. April 1933 die älteste und ehrwürdigste humanitäre deutsche Großloge "Zur Sonne" in Bayreuth, der auch die Loge "Zum Morgenstern" angehörte auf und schloß mit einer ergreifenden Tempelarbeit ihre Pforten. In einem Brief an die Tochterlogen schrieb der zugeordnete Großmeister am 12. April 1933, dass er die Überzeugung habe, "dass wir ein heiliges Mysterium zu bewahren haben, das durch menschliche Nöten und Schwächen immer nur vorübergehend verdunkelt oder verschüttet werden kann."

Zur Erhaltung ihres Eigentums wandelte dich die Großloge um in den Verein “Gesellschaft für Kultur und Wissen”. Der Arierparagraph, der die Mitgliedschaft von "Nichtariern" verbot, wurde in die Satzung eingefüg.

Nur zwei Wochen später, in der Mitgliederversammlung vom 27. April 1933 folgte die Loge "Zum Morgenstern" bei nur geringem Widerstand der Brüder diesem Beispiel und wandelte sich um in den geselligen Verein "Deutsch-Christlicher Freundschaftsbund". Alle rituellen Arbeiten wurden eingestellt. Damit hatten die Nazi's auch in Hof über die Freimaurerei, die hier aufgehört hatte, zu existieren, gesiegt. Mit diesem Schritt wollte man wohl noch "retten, was zu retten war". Auch in Hof wurde der Arierparagraph in die Satzung eingefügt und jüdischen Mitbrüdern der Austritt nahegelegt.

Andere Nachbarlogen verhielten sich ähnlich. Die Hofer Tochterloge "Friedrich zur Frankentreue" in Kulmbach löste sich auf. Die Nachbarloge "Pyramide" in Plauen wandelte sich in eine Sterbekasse um. Die Bayreuther Loge "Eleusis zur Verschwiegenheit" wandelte sich in einen Verein "Zur Pflege der Heimat" um, während sich die Regensburger Loge auflöste und ihr Vermögen unter den Mitgliedern verteilte.

Dies alles nützte aber nicht lange. Alle "neuen" Vereine wurden später als Tarnorganisationen aufgelöst.

Zahlreiche Hofer Brüder traten bald aus dem "Deutsch-Christlicher Freundschaftsbund" aus. Es waren dies vor allen Dingen Beamte und Lehrer, die sich aufgrund der unverhüllten Drohungen der Parteistellen nicht mehr sicher fühlten. Auch viele unabhängige Brüder erklärten ihren Austritt, da sie aufgrund ihrer Mitgliedschaft in ihrem Berufsleben mit Boykott bedroht wurden.

Am 23. Juni 1934 erschienen gegen 11:00 Uhr vier Beamte der uniformierten Geheimen Staatspolizei im Logengebäude. Das Gebäude wurde beschlagnahmt, niemand durfte das Logenhaus verlassen. Nach Verstärkung durch die Stadtpolizei und eine Abteilung SA wurde nun in den Logenräumen alles ausgeräumt, was nicht niet- und nagelfest war. Das gesamte Archiv, Bücher, die Bilder der Stuhlmeister, sämtliche Tischdecken, alle Gegenstände im Tempel, Bestecke, selbst Bilder der beiden Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. wurden abgenommen und auf zwei Lastautos verladen, die Hof mit Fahrtrichtung "Berlin" verließ.