Die Gründerzeit - 1799

Um das Entstehen und Leben einer Loge darzustellen, muss man die Querverbindungen zum Ort und zum Land betrachten. Denn Freimaurerei war und ist auch heute noch ein Kind ihrer Zeit und ihrer Umgebung. Sie bekommt und gibt Impulse. Die Loge steht nicht für sich allein in dem sie umgebenden Raum. Stets hat sich aus dem Zusammenleben eine belebende Entwicklung angebahnt. Diese Wechselbeziehungen sind es, die jeder Loge ihre eigene Färbung verleihen. Eine ins Detail gehende Schilderung der Gründung unserer Loge, insbesondere der Überlieferung des ersten Brauchtums, ist leider nicht möglich, weil alle Gründungsunterlagen bei dem großen Stadtbrand in Hof im Jahr 1823 vernichtet wurden.

Wir kennen daher nur die Namen der Gründer und wissen, dass sie in französischer Sprache arbeiteten. Im Gründungsjahr 1799 hatte unsere Stadt 4200 Einwohner und war damit so groß wie damals Leipzig. In einer Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs verarmte der Landadel mehr und mehr, während Handwerk, Handel und Industrie aufblühten. Haupterwerbszweig in Hof war damals die Textilindustrie mit 895 Webstühlen und 3019 Arbeitern. Über die Hälfte des Gesamtumsatzes von rund 514.000 Gulden wurde mit dem Export von Textilien erzielt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Heimatstadt konnten als vergleichsweise günstig angesehen werden. Politisch gehörte Hof 1799 noch zu Preußen. Die Preußen hatten die Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth erhalten. Beide Markgrafen waren Freimaurer. Der Markgraf von Bayreuth war von seinem Schwager, Friedrich dem Großen, in die Loge aufgenommen worden. In Bayreuth gründete der Markgraf eine Hofloge. Hardenberg, ebenfalls ein Freimaurer, war mit der Reform der Verwaltung und deren Angleichung an die preußischen Verhältnisse beschäftigt. Schwierigkeiten ergaben sich vor allem beim Adel, weil dieser viele seiner Privilegien, wie eigene Gerichtsbarkeit und fast völlige Steuerfreiheit, aufgeben musste.

Nach dem Überblick über die Wirtschaft und die Politik nun zu den geistigen Strömungen der Gründungszeit unserer Loge:1799 hatten die humanitären Ideen, die längst in den Menschen schlummerten und durch die vorhergegangene französische Revolution angeregt worden waren, in allen Kulturstaaten Eingang gefunden. Die breite Masse des Bürgertums wurde sich ihrer Aufgabe bewusst, mit dem wachsenden ersten bescheidenen Wohlstand auch einen Anschluss an die verkündeten Freiheiten zu suchen. Unsere Stadt, an der Nahtstelle zwischen West und Ost, Nord und Süd gelegen, hatte einen lebhaften Durchgangsverkehr. Für die Reisenden nach Thüringen, Sachsen und Böhmen war Hof damals, wie auch heute wieder, ein Sprungbrett. Die Vermittlungsdienste der Bürger unserer Stadt zugunsten der Kaufleute auf beiden Seiten trugen ihre Früchte. Handelsbeziehungen zu den Baumwollhändlern aus Mazedonien, der Verkauf der im Umkreis geförderten Erze, der Absatz der Textilerzeugnisse in ganz Europa, später bis nach Indien und Kaschmir vertrugen keine engstirnigen Kleinkrämer.

Nach den uns vorliegenden Unterlagen wurde unsere Loge am 5. April 1799 von der Großloge “Royal York Zur Freundschaft” in Berlin konstituiert. Da unsere Stadt zu Preußen gehörte, musste die junge Loge sich nach einer Anordnung des preußischen Königs, Br.: Friedrich Wilhelm, vom 20. Oktober 1798 einer der in Preußen zugelassenen drei Großlogen anschließen. Durch die preußische Verwaltung unseres Gebietes waren Beamte und Offiziere in unsere Stadt versetzt worden, von denen einige Freimaurer waren. Von den Gründungsmitgliedern gehörten drei der Loge “Zu den drei Flammen” in Plauen, die anderen unterschiedlichen Logen an. Es handelte sich um sechs Offiziere, fünf Beamte, zwei Theologen, zwei Mediziner und zwei griechische Kaufleute.

Das erste Stiftungsfest wurde am 9. Juni 1799 gefeiert, im Rathaussaal, der damals allen Vereinen zur Verfügung stand. Die erste Aufnahmeloge fand am 1. Juli 1799 statt, wobei drei Suchenden das Licht gegeben wurde. Als Ort der Aufnahme wird das Haus des Kammerrates Löwel, Hammerbesitzer in Klingensporn, genannt. Dieses Haus in der Bürgerstraße Nr. 19 existiert heute noch. Weitere Angaben sind leider nicht möglich, weil unser gesamtes Archiv 1933 von den Nazis beschlagnahmt wurde und seitdem verschwunden ist. Über den Verbleib der Unterlagen konnte bis heute nichts ermittelt werden. Der erste Stuhlmeister unserer Loge, Br.: Karl Christian von Morg, kgl. preußischer Hauptmann, Erb-, Lehens- und Gerichtsherr auf Reusa bei Plauen, entwickelte eine rege Tätigkeit für das Logenleben. Viele Bürger und Beamte nahm er in die Hofer Loge auf. Von Br.: von Morg wissen wir, dass er verheiratet war und 1816 verstorben ist. Sein Geburtsdatum, ob er Kinder hatte, und wo er starb ist uns nicht bekannt. Im Wappenalbum des deutschen Adels ist kein Wappen von ihm aufgeführt. Unter den 17 Gründungsmitgliedern befanden sich zwei, deren Beruf als "Obrist in holländischen Diensten" angegeben wurde. Das ist nach Meinung der Hofer Geschichtsforscher damit zu erklären, dass die landwirtschaftlichen Erträge der Rittergüter zum Lebensunterhalt der genannten Brüder nicht ausreichten und sie daher Söldnerdienste leisten mussten. Bei den beiden griechischen Kaufleuten handelte es sich um Verkäufer mazedonischer Baumwolle, die im hiesigen Gebiet ansässig waren.

Gründungsväter der Loge waren:

Carl Christian von Morg
königlich preussischer Hauptmann
Erb-, Lehens- und Gerichtsherr
Reusa bei Plauen

Friedrich Christian von Oberländer
kgl. preuss. LeutnantRudolphstein

Moritz Wilhelm von der Heyde
Obrist in holländischem Dienst
Gutenfürst

Gustav Gottlob Wilhelm v. Stammer
kgl. preuss. Premierleutnant
Hof

Ernst Ferdinand Klein
Geheimer Obertribunalrat
Berlin

Carl Friedrich von Dobrowolsky
kgl. preuss. Premierleutnant
Hof

N. Feldmann
Geheimer Kriegsrat
Berlin

Theophar Kephala
Kaufmann
Schwarzenbach/Saale

Christian von Hoissing
Obrist in holländischen Dienst
Reusa bei Plauen

Florentin Johann Georg Klinger
Justizdirektor
Wunsiedel

Peter Christian Knoll
Stadtrendant
Hof

Johann Georg Schneider
Arzt
Hof

Johann Gottfried Schoenermarck
klg. preuss. Regiments-Chirurgus
Kulmbach

Georg Ferdinand Marius
Pfarrer
Hof

Friedrich Wilhelm Frhr. v.d. Borch
kgl. preuss. Forstmeister
Bayreuth

Georg Christian Wunderlich
cand. theol.
Wunsiedel